(c) Olga Berezhna
Donnerstag, 21.11.2019 19:00 Uhr

Erinnerung lernen. Der vergessene Holocaust auf dem Gebiet der heutigen Ukraine

Vortrag von Matthias Richter 
im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma 
Eintritt frei 

„Erinnerung lernen“ ist ein transnationales Projekt in der Ukraine und Deutschland, der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, die durch das Schicksal vieler ihrer Mitglieder im während des Holocaust eng mit der heutigen Ukraine und besonders mit der Bukowina, den Massakern, den Ghettos und der Deportation nach Transnistrien verbunden ist.

Das berüchtigte Massaker von Babyn Jar, steht stellvertretend für den lange vergessenen und verdrängten Holocaust durch Kugeln und das sog. „Ghetto“, dem vor allem Juden, Roma und behinderten Menschen zum Opfer fielen.

"Seit nunmehr drei Jahren reist unsere Erinnerungswerkstatt nun durch die Ukraine erstellt und übersetzt Materialien und Formate für die Zeit, wenn die Zeitzeugen ihre Schicksale nicht mehr persönlich an die Jugend weitergeben können“, so Olga Rosow, Leiterin der Sozialabteilung der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf.
Begonnen  "Erinnerung lernen" , als kleines Zeitzeugenprojekt in der Seniorenabteilung der Gemeinde, heute sind es bereits über 150 Veranstaltungen in 16 Städten geworden.

Präsentiert werden u.a. die Geschichten von Überlebenden, ein Schulbuch im Stil einer Graphik Novel, das die Biographien von fünf jüdischen Kindern im Holocaust erzählt, ein elektronisches Memory zur Erklärung jüdischer Symbole, ein Audio Spaziergang durch den Gedenkpark von Babyn Yar und ein Dokumentarfilm über das Leben und die gestohlene Kindheit des Herbert Rubinstein, der das Ghetto in Czernowitz überlebte.

Zuletzt wurde der Comic „Das Leben von Anne Frank“ ins Ukrainische übertragen und wird ab September in ukrainischen Schulen verteilt. Gemeinsam mit dem Ukrainischen Zentrum für Holocaust Forschung wird zurzeit eine interaktive Wanderausstellung über Kinder im Holocaust vorbereitet, in dem auch die Schicksale zweier junger Roma erzählt werden. In einer Reflexionszone werden die Jugendlichen auch mit Situationen heutiger Vorurteile und Diskriminierung konfrontiert, „Peer Guides“ von 12-17 Jahren erarbeiten gemeinsam ihren Mitschülerinnen und Mitschülern Konzepte und Medien, die wiederum Teil der stetig wachsenden Ausstellung werden. 

Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt im Rahmen des »Ausbaus der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland« gefördert. Partner des Projektes sind unter anderem das Zentrum Judaikum Kiew, das Museum für die Geschichte und Kultur der Juden der Bukowina sowie das Anne-Frank-Haus Amsterdam und SABRA Düsseldorf.Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Schirmherrschaft übernommen.

Der Historiker und Projektverantwortliche Matthias Richter wird am 21.November auf Einladung des Zentralrats und des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, das Projekt vorstellen und kurz über die allgemeine Situation der Erinnerungskultur in der Ukraine berichten. Gemeinsam werden wir außerdem einen Dokumentarfilm und ein TV Stück ansehen, die im Rahmen von „Erinnerung lernen“ entstanden sind.
Herr Richter wird seinen Vortag mit aktuellen Fotos und Videos untermalen.
In einem gemeinsamen Ausblick, sollen mögliche konkrete Schritte einer Zusammenarbeit erörtert werden.