Öffentliche Ausschreibung

Angebot für die Wettbewerbsbetreuung für einen zweistufigen Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren im Rahmen der IBA-Heidelberg für einen Neubau des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma


Bewerbungsfrist: 21.12.2019, 12 Uhr Ortszeit

Ansprechpartnerin:

Marija Krstanović

Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Organisation, Planung und Verwaltung

Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma
Bremeneckgasse 2
69117 Heidelberg

Telefon +49 6221 98 11 02

Telefax +49 6221 98 11 77

E-Mail   marija.krstanovic@sintiundroma.de

 

 

Hintergrund

Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma ist in seiner heutigen Form und Arbeitsweise das Ergebnis von mehr als 45 Jahren erfolgreicher Bürgerrechtsarbeit, mit der Angehörige der Minderheit für ihre Rechte und die Anerkennung der NS-Verbrechen an den Sinti und Roma kämpften.

Das Zentrum wurde Anfang der neunziger Jahre mit Unterstützung der Stadt Heidelberg in der Heidelberger Altstadt eingerichtet und beherbergt die weltweit erste Dauerausstellung zum Holocaust an den Sinti und Roma. Als europaweit singuläre Einrichtung wird das Zentrum von der Bundesregierung und dem Land Baden-Württemberg institutionell gefördert.

Die Arbeit des Dokumentations- und Kulturzentrums zeichnet sich durch eine doppelte Perspektive aus. Es galt und gilt, in Zusammenarbeit mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und den Landesverbänden, den Emanzipationsprozess der nationalen Minderheit der deutschen Sinti und Roma weiter zu stärken. Zugleich ist das Zentrum eine wissenschaftliche Facheinrichtung für die Aufarbeitung und Dokumentation der 600-jährigen Kulturgeschichte der Sinti und Roma, für Gedenkstättenarbeit und politische Bildungsarbeit gegen Antiziganismus sowie zeitgenössische Kunst- und Kulturprojekte. Diese Arbeit ist den Menschenrechten, der Demokratie und der Rechtstaatlichkeit verpflichtet und setzt sich für die gesellschaftliche Gleichberechtigung und den interkulturellen Dialog ein.

Projektidee
Trotz ihrer 600-jährigen Kulturgeschichte in Europa verfügt die nationale Minderheit der Sinti und Roma in Deutschland bislang über keine historisch signifikante Repräsentanz, die ihren kulturpolitischen Leistungen Rechnung trägt und unverwechselbar im Stadtbild erkennbar ist. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurde daher zunächst ein Umbau- und Neubaukonzept entwickelt, das ausreichend Raum für Konzerte, Sonderausstellungen, für die hauseigene Mediathek sowie repräsentative Räume für den Empfang von international hochrangigen Gästen und für Fachtagungen und Pressekonferenzen bietet.

Damit wurde die Voraussetzung geschaffen, dass das bei der Gründung des Dokumentations- und Kulturzentrums entworfene Grundkonzept räumlich umgesetzt werden kann: einerseits dokumentiert das Haus die Geschichte der Minderheit und arbeitet diese auf – andererseits erneuert es das durch den Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus zerstörte kulturelle Selbstverständnis als deutsche Sinti und Roma. Durch die historische Aufarbeitung und Dokumentation der 600-jährigen Geschichte der nationalen Minderheit der Sinti und Roma wird die Grundlage für eine gemeinsame deutsche Erinnerungskultur geschaffen. Damit etabliert das Zentrum zugleich das kollektive Gedächtnis und den Ausgangspunkt der zeithistorisch noch sehr jungen Emanzipationsbewegung der größten Minderheit Europas. Dem Kulturzentrum kommt dabei wiederum die wichtige Aufgabe zu, diesen gesellschaftspolitischen Emanzipationsprozess der Sinti und Roma weiterhin zu stärken. Es soll Raum bieten für einen dynamischen Ideenaustausch der heutigen und zukünftigen Generationen über Kultur und Gesellschaft und so zur Stärkung des neugewonnenen Selbstbewusstseins als deutsche Sinti und Roma beitragen. Die dafür notwendige künstlerische Arbeit benötigt Räumlichkeiten und Ressourcen, die es der Minderheit ermöglichen Kulturgüter zu schaffen, die zu einem gleichberechtigten, essentiellen Teil des deutschen und europäischen Kulturkanons werden.

Das in dieser Machbarkeitsstudie entworfene Umbau- und Neubaukonzept auf dem zur Verfügung stehenden Grundstück des Dokumentations- und Kulturzentrums soll das Sinnbild dieses neuen Selbstbewusstseins der deutschen Minderheit der Sinti und Roma darstellen.

Das Projekt ist Kandidat der Internationalen Bauausstellung Heidelberg und wird von dieser begleitet und unterstützt.

Von Dezember 2019 bis Dezember 2020 soll das Verfahren durchgeführt werden.

 

Tätigkeiten 
Die zur Planung und Realisierung des Projektes notwendigen Schritte werden auf Basis eines Werkvertrags vereinbart und erfolgen in Abstimmung mit der zuständigen Leitungsebene im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma.

Angeboten werden sollen, alle zur Durchführung des Wettbewerbs erforderlichen Leistungen, außer die organisatorischen Erfordernisse, was die Räumlichkeiten, die Unterbringung der Jury und die gastronomischen Belange angeht.

Die im Folgenden beschriebenen  Leistungsschritte dienen der Erläuterung der Aufgabe und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

 

1.0 Vorgeschaltetes Bewerbungsverfahren

Aus­füh­rungs­zeit­raum: ab Dez.  2019 (Dauer 3-4 Wochen)

In einer für Architekten europaweit offenen Bewerbungsphase sollen max. 25 Büros für die Teilnahme am Ideenwettbewerb ausgewählt werden.

 

1.1  Erstellen der Aufgabenstellung für die Bewerbungsunterlagen

1.2   Information/ Abstimmung  mit der Architektenkammer BAWÜ

1.3  Erstellen  eines nachvollziehbaren Prüfsystems in Abstimmung mit der IBA/Juroren

1.4  Koordination und Einladung der Juroren

1.5  Preisrichtervorbesprechung zur Abstimmung der Auslobung

1.6   Veröffentlichung in den einschlägigen Medien

1.7    Ver­sand der Bewerbungs­un­ter­la­gen di­gi­tal auf Anfrage

1.8    Vorprüfung der Bewerbungen

1.9    Prüfen der Bewerbungen für 50-100 Bewerbungen

1.10           Durchführung der Auswahlsitzung inkl. Protokoll

1.11           Versand der Ergebnisse an alle Teilnehmer

1.12           Einladung der 5 gesetzten Büros

 

2.0 Herstellen der Aus­lo­bungs­un­ter­la­gen für den Ideen- und Realisierungswettbewerb

Aus­füh­rungs­zeit­raum: ab Auftrag, Versand im Januar 2020

Der Ideenwettbewerb dient zur Ermittlung von städtebaulich interessanten Lösungen, die als Testentwürfe für eine Genehmigung nach §34 BauGB herangezogen werden sollen. Im Rahmen einer Ämterbeteiligung und einer Vorstellung der Entwürfe in der Öffentlichkeit sollen für den Realisierungswettbewerb die städtebaulichen Rahmenbedingungen als Genehmigungsgrundlage  definiert werden.

Der Ideen-Wettbewerb zielt auf die Teilnahme am Realisierungswettbewerb.

Es werden 7-8 Arbeiten für den Realisierungswettbewerb empfohlen.

 

2.1   Auslobungstext –  formaler Teil

-          Textliche Beschreibung und Zusammenstellung des Wettbewerbsverfahrens

-          Abstimmung des Wettbewerbsverfahrens mit Bauherr, Nutzer, der Architektenkammer und der IBA Heidelberg.

-          Erstellen der zeitlichen Vorgaben

 

2.2  Auslobungstext –  Inhaltlicher Teil

-          Definition der Aufgabenstellung des Wettbewerbs

-          Beschreibung des Bestandes, Lage im Stadtgrundriss und des Bearbeitungsgebietes

-          Darstellung der städtebaulichen Möglichkeiten

-          Beschreibung der baurechtlichen, insbesondere der denkmalschutzrechtlichen

Bedingungen. Die Klärung der Vorgaben der Genehmigungsbehörden erfolgt  in

 Zusammenarbeit mit der IBA (erste Ämterrunde)

-          Zusammenstellen der Vorgaben und Ziele des Dokumentationszentrums

Raumprogramm und Erstellen eines Funktionsdiagramms

 

Das Erarbeiten des Raumprogramms inkl. der technischen Ausstattung und der funktionalen Zusammenhänge in Zusammenarbeit mit dem Dokumentationszentrum wurde bereits im Rahmen der Machbarkeitsstudie beauftragt und liegt bereits vor.

 

-          Textliche Beschreibung und Zusammenstellung, inkl. graphischer Bearbeitung von Planvorgaben und Nutzungsanforderungen

-          Beschreibung des geforderten Leistungsumfangs in Zusammenarbeit mit dem Preisgericht und der IBA Heidelberg

-          Information/ Abstimmung  mit der Architektenkammer BAWÜ

-          Erstellen  eines nachvollziehbaren Prüfsystems in Abstimmung mit der IBA/Juroren

Inkl. Preisrichtervorbesprechung

 

Das Ergebnis der Arbeit ist dann die Druckvorlage für die Auslobung.

 

3.0 Durch­füh­rung des Ideenwettbewerbs

      Aus­füh­rungs­zeit­raum: ab Januar 2020 (Dauer 4-5 Monate)

 

Es werden 5 weitere  Büros zugeladen. Das Verfahren ist anonym. Dadurch ergeben sich insgesamt 30 Teilnehmer. Der Ideen-Wettbewerb zielt auf die Teilnahme am Realisierungswettbewerb. Es werden 7-8  Arbeiten für den Realisierungswettbewerb empfohlen.

3.1 Ver­sand der Auslobung di­gi­tal auf Anfrage

                - Veröffentlichung in den einschlägigen Medien

-  Anschreiben der eingeladenen Teilnehmer

 

3.2 Durchführung des Rückfragenkolloquiums als vor Ort -Termin inkl. Vor- und Nachbereitung (Protokoll)

3.3 Vorprüfung der eingereichten max. 30 Arbeiten (Mehrpreis je weitere Arbeit benennen)

3.4 Koordination und Einladung der Juroren

3.5 Durchführung der Preisgerichtssitzung inkl. Protokoll

3.6 Versand der Ergebnisse an alle Teilnehmer

 

4.0 Öffentliche Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse des Ideenwettbewerbs

(Dauer 2 Wochen)

Ca. 5 Führungen mit fachlichen Erläuterungen. Die Besucher haben die Möglichkeit ihre Meinung, ihre Kritik und ihre Anregungen mitzuteilen.

Dokumentation der Besuchermeinung.

5.0 Überarbeitung der Auslobung aufgrund der städtebaulichen Ergebnisse       

              (Dauer ca. 2 Monate)

Teilnahme an der zweiten Ämterrunde in Zusammenarbeit mit der IBA.

Es sollen die städtebaulichen Rahmenbedingungen und die möglichen Abweichungen von der Gestaltungsatzung als Option definiert werden.

Die Ergebnisse müssen in die Auslobung eingepflegt werden.

6.0 Durch­füh­rung des Realisierungswettbewerbs

      Aus­füh­rungs­zeit­raum: ab September 2020 (Dauer 4 Monate)

 

6.1 Preisrichtervorbesprechung zur Abstimmung der Auslobung

Ver­sand der Auslobung di­gi­tal auf Anfrage

                - Veröffentlichung in den einschlägigen Medien

-  Anschreiben der eingeladenen Teilnehmer

 

6.2 Durchführung des Rückfragenkolloquiums als vor Ort -Termin inkl. Vor- und Nachbereitung (Protokoll)

6.3 Vorprüfung der eingereichten max. 8 Arbeiten (Mehrpreis je weitere Arbeit benennen)

6.4 Koordination und Einladung der Juroren

6.5 Durchführung der Preisgerichtssitzung inkl. Protokoll

6.6 Versand der Ergebnisse an alle Teilnehmer

 

7.0 Öffentliche Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse des Realisierungswettbewerbs

(Dauer 2 Wochen)

Einzelpositionen werden ausgewiesen. Kalkulierte Stundensätze sind anzugeben. Es erfolgt eine stufenweise Beauftragung.

Das Honorar enthält die ggf. anfallende gesetzliche Mehrwertsteuer. Von Seiten des Auftragsgebers werden keinerlei Steuern, Sozialabgaben oder sonstige Versicherungen abgeführt. Die pünktliche Abführung der auf das Honorar zu entrichtenden Steuern (insbesondere Einkommenssteuer) obliegt dem Auftragnehmer. Das Honorar ist fällig, wenn der Auftrag abgeschlossen ist und wird überwiesen. Grundsätzlich ist eine Bearbeitung des Werkvertrags auch in einem Team von mehreren Personen möglich.

Bewerbungsfrist: 21.12.2019, 12 Uhr Ortszeit

Veröffentlicht am 14.11.2019