Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in der Heidelberger Altstadt

Wass ketne! Lasst uns zusammenkommen – das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma ist ein Ort der Begegnung und des Dialogs mitten in der Heidelberger Altstadt. Hier lebt die reiche Kultur der Sinti und Roma. Literatur, Malerei, Musik – die kulturellen Beiträge der Minderheit sind so vielfältig wie die Menschen selbst und werden in einer eigenen Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, Ausstellungen, Filmvorführungen, Konzerten und Exkursionen präsentiert. Aber auch bei bewährten Kooperationen wie etwa mit dem Kulturhaus Karlstorbahnhof.

Darüber hinaus ist das Zentrum Ort des Gedenkens an die Opfer des NS. Speziell der Holocaust an den Sinti und Roma wird in der weltweit einzigartigen Dauerausstellung aufgearbeitet, die das Haus zu einem bedeutenden Museum zur Zeitgeschichte und zu einem Ort historischer Erinnerung macht.

Die Ausstellung beherbergt einen einmaligen Stock an Privatfotos

Deshalb besteht auch eine der zentralen Aufgaben darin, die über 600-jährige Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland und Europa zu dokumentieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den NS-Völkermordverbrechen, die jahrzehntelang aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt wurden. Priorität haben dabei die Interviews mit Überlebenden des Holocaust und das Festhalten ihrer Erinnerungen auf Tonband oder Video und Archivrecherchen im In- und Ausland. Darüber hinaus sammelt das Zentrum systematisch private Zeugnisse von Überlebenden und ihren Angehörigen, wobei alte Familienbilder von besonderem Interesse sind. Aus dieser Arbeit ist mittlerweile ein Archiv entstanden, das in seiner Art einzigartig ist.

Die Holocaust-Überlebenden Franz Rosenbach (links) und Hermann Höllenreiner schildern Jugendlichen die Grauen der NS-Verfolgung

Immer im Mittelpunkt stehen die Menschenrechte. Als Forum für Minderheiten sollen hier alle eine Stimme erhalten, die Opfer von Diskriminierung und Gewalt sind. Denn vor dem Hintergrund der eigenen Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus besteht eine besondere Verpflichtung, ein Ort kritischer Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen zu sein, und in der Antirassismusarbeit, der Bildung sowie der pädagogischen Arbeit Akzente zu setzen.

Mit Unterstützung der Stadt Heidelberg wurde das Zentrum zu Beginn der Neunzigerjahre in der Heidelberger Altstadt eingerichtet. Gemeinsam mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma bildet es die zentrale Einrichtung der Minderheit in Deutschland. Zentrum und Zentralrat agieren unabhängig voneinander und sind rechtlich getrennte Vereine. Die Zusammenarbeit ist aber sehr eng. Als europaweit singuläre Einrichtung wird das Zentrum durch die Bundesregierung und das Land Baden-Württemberg institutionell gefördert. Nach mehrjährigen Um- und Erweiterungsbaumaßnahmen konnte der Gebäudekomplex mit der weltweit ersten Dauerausstellung zum Holocaust an den Sinti und Roma am 16. März 1997 im Rahmen eines Festaktes der Öffentlichkeit übergeben werden.