2008: Gedenk- und Bildungsreise nach Auschwitz

Vom 30. Juli bis 5. August 2008 organisierte und begleitete das Referat Dialog eine Gedenk- und Bildungsreise von 16 Sinti und Roma Jugendlichen und jungen Erwachsenen in die Gedenkstätte Auschwitz. Im Mittelpunkt des Programms der Gruppe stand neben der Auseinandersetzung mit der Geschichte des Lagers und der Verfolgung der Sinti und Roma vor allem auch die intensive persönliche Begegnung mit den Überlebenden und der Dialog der Generationen.

Die mehrtägige Bildungsreise wurde möglich durch eine Förderung des Bündnisses für Demokratie und Toleranz, mit dem das Dokumentations- und Kulturzentrum bereits seit einigen Jahren durch eine gute Kooperation eng verbunden ist. Zusammen mit Dr. Gregor Rosenthal, Geschäftsführer des Bündnisses, fand am 22. Juli im Vorfeld der Bildungsreise ein Pressegespräch in Heidelberg statt, bei dem das gemeinsame Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Ein wichtiger und bedeutender Programmpunkt der Reise war die zentrale Gedenkfeierlichkeit am 2. August, an der auch zahlreiche Vertreter von Sinti-und Roma-Organisationen sowie Sinti-und Roma-Familien aus mehreren Ländern Europas teilnahmen.

Stellvertretend für die Eindrücke der Teilnehmenden soll hier der Kölner Rom Fikret Sejdic zitiert werden, der nach dem Ende der Bildungsreise in einem Brief schrieb:

„Franz Rosenbach trägt stolz seinen Hut, doch tief darunter sitzen seine  einmaligen grauenhaften Erinnerungen an die Zeit im so genannten Zigeunerlager. Erfasst, deportiert und außer ihm haben die Nationalsozialisten fast seine ganze Familie vernichtet. Seine Erzählung zieht nicht nur unsere Gruppe in den Bann, sondern auch eine Gruppe israelischer Jugendlicher.

Sie verstehen zwar kein Wort, doch seine Augen und Gesten sprechen eine universelle und unmissverständliche Sprache. Alles ist ganz still, seine Worte malen uns das düstere Bild aus. Mit weit geöffnet Augen hören alle ihm zu. In manchen Gesichtern sehe ich Mitleid, in anderen tiefes Entsetzen. Als er von seiner Mutter und seiner Schwester erzählt, laufen Tränen über seine Wangen. Er erklärt uns, dass Tod, Leid und ständiger Hunger das Versprechen an seine Mutter, lebend aus dem Lager rauszukommen, nicht brechen konnten.

Der Holocaust, Auschwitz , die Lager, das Martyrium ist Teil europäischer Roma-Geschichte und auch Teil meiner Familiengeschichte. Was mit meinen Onkel passiert ist? Wohin is er gekommen? Ob er noch lebt? Das weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass meine Aufarbeitung noch lange nicht zu Ende ist.“