Ausstellung "Opfer rechter Gewalt"

„Als sie die Tür aufbrachen, dachte ich, das kann nicht sein, zu Hause ist man doch sicher. Heute wäre es schlimmer. Ich wohne wieder ganz oben, aber es gibt keinen Balkon zum Runterklettern.“

In die Wohnung von Daniel A. in Wittstock drangen am 20. Mai 2001 fünf Rechtsextremisten ein. Sie schlugen ihn nieder. Sein dunkelhäutiger Freund stürzte ab, als er versuchte, sich vom Balkon nach unten zu hangeln.

„Ich wurde so brutal zusammengeschlagen, dass ich fast gestorben wäre. Ich denke an die Taxifahrer, die mir nicht geholfen haben. Sie hatten Handys, aber haben die Polizei nicht gerufen. Einer sagte zu mir: Go home, it is better for you.“

William Z. wurde am 18. Sept. 1998 am Bahnhof von Königs Wusterhausen zusammengeschlagen.

Auch wenn einzelne rechtsextreme Angriffe immer wieder für kurze Zeit in den Schlagzeilen der Medien auftauchen, gelangt der Großteil nicht ins öffentliche Bewusstsein. Während die gesellschaftlichen Gründe für Rechtsextremismus intensiv diskutiert werden, erfährt man so gut wie nichts über die Opfer rechter Gewalt und ihre Angehörigen.

Die Berliner Künstlerin Rebecca Forner hat den Menschen, die von Rechtsextremen zu Opfern erst gemacht wurden, daher eine Ausstellung gewidmet. Erstmalig im Mai/Juni 2002 am Bauzaun der Berliner Stiftung Topographie des Terrors gezeigt, ist nun eine veränderte, transportable Variante der Ausstellung verfügbar.

Kurzbiografien in Wort und Bild zeigen den einzelnen Menschen hinter den Schlagzeilen und schildern die Todesumstände. Unterbrochen wird die Abfolge der Schicksale durch Spiegel mit den Aufschriften „Zuschauer?“, „Täter?“ und „Opfer?“. Die Idee der Erinnerung an die meistens nur als Randnotiz erscheinenden Opfer wird damit um die Frage der gesellschaftlichen Verantwortung erweitert.

Zwischen den Biografien der ermordeten Menschen  erkennt der Besucher sich selbst und wird damit auf sich und seine Rolle zurückgeworfen: „Wie hätte ich mich in einer vergleichbaren Situation  verhalten sollen?“  Die Antwort auf diese Frage bleibt am Ende unbeantwortet im Raum stehen und begleitet den Besucher beim Verlassen der Ausstellung in die „Mitte“ unserer Gesellschaft.

Ergänzt wird die Ausstellung in Heidelberg durch ein vom Wuppertaler Historiker Lars Reinking erarbeitetes pädagogisches Programm . Es reicht von thematischen Einführungen bis hin zu Halbtagsworkshops. Eine Veranstaltungsreihe mit Filmen zum Thema und Diskussionsabende mit Angehörigen der Opfer und Vertretern von Opferhilfen bietet die Möglichkeit zur weiteren inhaltlichen Auseinandersetzung.

Die Herausgabe einer Publikation mit Informationen zur Ausstellung, zu den Formen pädagogischer Auseinandersetzung und den Beiträgen der Veranstaltungsreihe ist in Planung. Über den Verein „Opferperspektive. Beratung für Opfer rechtsextremer Gewalt in Brandenburg“ kann die Ausstellung ausgeliehen werden.

Wer sich für die Ausstellung, ihre Hintergründe und die Möglichkeit, sie auszuleihen, interessiert, findet alle Informationen unter www.opfer-rechter-gewalt.de.