5. Bildungstreffen & Stipendienprogramm 2018 (Heidelberg)

Teilnehmer*innen, 2018

Am Abend des 29. Juni begann das Bildungstreffen mit einem Reisebericht über Indien von Andreas Jackisch, einem Mitglied des Beirats der Bildungsakademie. Der Vortrag, mit Bildern und Musik untermalt, schilderte die Eindrücke, die er in der Metropole Mumbai sammeln konnte. Er nahm an einer Konferenz des Internationalen Zentrums für Kulturwissenschaften teil, das sich dem Studium und dem Erhalt alter Kulturen widmet. Der Vortrag regte zu einer intensiven Diskussion über Kultur und Identität an.

Im Zentrum der Veranstaltung am Samstag, den 30. Juni, stand wie schon in den Jahren zuvor der Informationsaustausch zwischen den Vertreterinnen und Vertretern stipendienvergebender Förderungswerke, Studierenden, angehenden Studierenden sowie an Bildungsfragen interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern.  

Den Anfang des Tages bestritten sieben Studentinnen und Studenten, die über ihre eigenen Bildungsbiographien referierten. Roxanna Witt, Marvin Joa, Pia Wöhrle, Giacomo Di Ventura, Denis Berisha, Anel Memedovski und Jasar Dzemailovski eröffneten ein Spektrum von jeweils unterschiedlichen Zugängen zu Bildung und ihren spezifischen Voraussetzungen und individuellen Motiven. In einer lebhaften Diskussion wurde die Notwendigkeit von Bildung und die Bedeutung für die jetzige und künftige Generationen unterstrichen. Aber auch die benachteiligte Situation der Minderheit, die sich aus der historischen Erfahrung mit der Verfolgung im Nationalsozialismus und der erneuten Diskriminierung in den ersten Nachkriegsjahrzehnten ableitet, wurde thematisiert.  

Danach waren die Vertreter der Förderungswerke an der Reihe, ihre Institutionen vorzustellen. Svenja Bauer-Blaschkowski, Muhammet Keser und Florian Glaser von der Studienstiftung des deutschen Volkes führten in die grundlegenden Möglichkeiten der Studienfinanzierung bevor sie die Spezifika der Studienstiftung erläuterten. Es folgten die Heinrich-Böll-Stiftung, deren Organisation und Stipendienprogramm von Markus Haun und Elizaveta Bobkova skizziert wurden, die Friedrich-Ebert-Stiftung, vorgestellt von Céline Drazek und Kevin Fischer, das evangelische Studienwerk Villigst, dessen Programm von Elisabeth Alexander und Christian Wirths  erläutert wurde, und die Hans-Böckler-Stiftung, für die deren Vertrauensdozent Albert Scherr aus Freiburg angereist war. 

Nach dem Mittagessen und der Informationsrunde standen drei Themen über Antiziganismus und Diskriminierung auf dem Programm. Nadine Povoden referierte über das Projekt Antiziganismusprävention an der Pädagogische Hochschule Heidelberg, das im Rahmen eines auf mehrere Jahre angelegten Projekts "Transfer Together" Bildungsinnovationen in der Region voranbringen soll. Die nur wenig bekannte Diskriminierungsform Antiziganismus soll an der PH fest etabliert werden und Konzepte und Materialien zur Prävention entwickelt und über ein Präventionsnetzwerk zur Verfügung gestellt werden.

Albert Scherr von der Pädagogischen Hochschule in Freiburg und Mitglied im Beirat der Bildungsakademie differenzierte in seinem Vortrag über "Diskriminierung und wie man ihr begegnet" verschiedene Formen der Diskriminierung, die von bewusster Ablehnung bis zu Neugier und Unkenntnis reichen und unterschiedliche Reaktionen und Maßnahmen verlangen. Sein Fazit lautete, Diskriminierung muss man begegnen und darf sie nicht unwidersprochen lassen. Der Staat steht mit dem Diskriminierungsverbot in der Pflicht auf entsprechende Vorgänge zu reagieren. Davon können und sollten Betroffene Gebrauch machen, insbesondere dann, wenn eigene Abwehrstrategien fruchtlos bleiben.

Zum Schluss blieb nur noch wenig Zeit, um die Bemühungen des IHRA-Komitees für den Völkermord an den Roma um eine "Arbeitsdefinition des Antiziganismus" vorzustellen. Die IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance) ist eine Organisation mit heute 31 Mitgliedsländern, die sich Ende der 1990er Jahre gebildet hat, um die Erinnerung an, die Lehre über und die Erforschung des Holocaust neu zu beleben. Mit der Arbeitsdefinition des Antiziganismus soll staatlichen Institutionen und zivilen Organisationen ein Werkzeug an die Hand gegeben werden, um Antiziganismus zu identifizieren. Weiter ist beabsichtigt, durch die Annahme der Arbeitsdefinition das Thema in prominenter Position auf Regierungsebene zu positionieren. 

Das Bildungstreffen, zu dem über 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ins Dokumentationszentrum gekommen waren endete um 16:30 Uhr.

Ein Fazit: Die intensiven Diskussionen zu allen Themen und die große Beteiligung daran trugen neben einer kritischen Bewertung der Umstände immer auch ein Funken positiven Zukunftsdenkens in sich, was sich insbesondere auf ein zunehmendes politisches und gesellschaftliches Bewusstsein der Generation, die jetzt studiert oder studieren möchte, bezieht.