"Vernichtung durch Arbeit"

Auschwitz-Birkenau (Staatl. Museum Auschwitz)

Nach Kriegsbeginn stieg die Zahl der Häftlinge in den Konzentrationslagern sprunghaft an. Viele kamen aus den besetzten Gebieten. Um die Rüstungsindustrie mit Zwangsarbeitern zu versorgen, wurde das KZ-System kontinuierlich ausgebaut und auf die eroberten Territorien ausgedehnt.

Seit 1942 unterstand der Arbeitseinsatz der KZ-Häftlinge dem, im Februar dieses Jahres neugegründeten, SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt. Über 1.000 KZ-Nebenlager wurden meist in unmittelbarer Nähe von Produktionsstätten errichtet. Auch ein Teil der deportierten Sinti, Roma und Juden musste Sklavenarbeit für die deutsche Rüstungswirtschaft leisten. Vor ihrer endgültigen Ermordung sollte die Arbeitskraft der Menschen rücksichtslos ausgebeutet werden. Zwangsarbeit bis zu zwölf und mehr Stunden täglich, Hunger und Terror hatten zur Folge, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der KZ-Häftlinge nur wenige Monate betrug. Grausame Bestrafungen und Folter bestimmten den Lageralltag. Selbst Kinder und Frauen waren von der Zwangsarbeit nicht ausgenommen und mussten oft genauso hart arbeiten wie erwachsene Männer. Wer nicht mehr arbeitsfähig war, wurde ermordet.

"Die Arbeit im Stollen war unsagbar hart und grausam. Anfangs habe ich nur ganz selten das Tageslicht gesehen, wir waren fast die ganze Zeit im Stollen eingesperrt. Trotz der Schwerstarbeit, die wir leisten mussten - es gab jeweils 12 Stunden Tagschicht und Nachtschicht -, waren die Ernährung und die hygienischen Zustände einfach katastrophal. Eine Schüssel Suppe, die dünn wie Wasser war, und ein Stück Brot mit etwas Margarine und Marmelade als Frühstück und Abendbrot - das war die ganze Verpflegung für 12 Stunden körperlich harte Arbeit.

Während der Arbeit wurden die Häftlinge gnadenlos angetrieben und misshandelt. Ich kann mich noch an zwei Zivilisten erinnern, die in Dora bei dem Ausmauern der Schächte leitende Funktionen hatten. Wenn es ihnen nicht schnell genug ging, haben sie uns mit Kabeln geschlagen. Sie waren bei Firmen beschäftigt, die für die Arbeit im Stollen verantwortlich waren. Auch die Kapos waren nur Handlanger der SS, die uns tagtäglich misshandelten. Nicht umsonst spricht man von 'Vernichtung durch Arbeit'. Wir galten als so genannte 'Muselmänner', weil wir völlig unterernährt, krank und teilweise wie Skelette abgemagert waren. Es erscheint mir heute wie ein Wunder, dass ich das Konzentrationslager Dora überlebt habe. Im Stollen habe ich nicht geglaubt, dass ich jemals wieder herauskomme. Viele Mithäftlinge sind von der SS erschossen worden oder haben sich aus Verzweiflung umgebracht. Wir wussten nie, ob wir die nächste Sprengung überleben. Jeder Tag konnte unser letzter sein." (Ewald Hanstein über seine Zwangsarbeit im KZ Mittelbau-Dora)

Die Buna-Werke in Schkopau waren eine Tochtergesellschaft der I.G. Farben (Staatl. Museum Auschwitz)

Nutznießer war die deutsche Rüstungsindustrie, die aus der Versklavung der KZ-Häftlinge den größtmöglichen Gewinn zog. Für wenige Reichsmark pro Tag konnten Firmen wie IG-Farben, Siemens oder AEG bei der SS Häftlinge anfordern, sofern ihre Bewachung gewährleistet war. Die privaten Unternehmen, die Einfluss auf Verpflegung und Lebensbedingungen der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter hatten, waren mitverantwortlich für deren massenhaften Tod.

Ende 1944 erwirtschaftete die SS monatlich bis zu 50 Millionen Reichsmark Gewinn aus der Sklavenarbeit der KZ-Häftlinge. Ihre Ausbeutung war total: Selbst die Haare und Zähne der Leichen wurden zentral gesammelt und verwertet.