Mengeles Versuche in Auschwitz

Dr. Josef Mengele führte an der "Rampe" von Auschwitz-Birkenau Selektionen bei den ankommenden Häftlingstransporten durch. Tausende von Menschen schickte er in die Gaskammer. Ab Juni 1943 war Mengele Lagerarzt im Abschnitt B II e, dem so genannten "Zigeunerlager". Sein besonderes Interesse galt eineiigen Zwillingskindern, an denen er bestialische Versuche durchführte, um den Nachweis zu erbringen, dass spezifische "Rassenmerkmale" vererbt werden.

"Ein Zwillingspaar hieß Guido und Nina, kaum älter als vier Jahre. Mengele holte sie ab und brachte sie auf eine perverse Weise verstümmelt zurück. Sie waren - wie Siamesische Zwillinge - am Rücken zusammengenäht worden. Gleichzeitig hatte Mengele ihre Adern miteinander verbunden. Ihre Wunden eiterten, sie schrien Tag und Nacht. Irgendwie konnte ihre Mutter, ich erinnere mich, dass sie Stella hieß, Morphium besorgen und so dem Leiden ihrer Kinder ein Ende bereiten." (Vera Alexander vor dem Tribunal in Jerusalem im Februar 1985)

Mehrfach tötete Mengele auch eigenhändig Sinti- und Roma Zwillinge, um ihre Leichen zu sezieren. Gewebeproben und Leichenteile wurden zur "wissenschaftlichen" Auswertung an das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie in Berlin-Dahlem geschickt, welches sich für das "Material" stets schriftlich bedankte. Der Direktor des Instituts, Prof. Otmar von Verschuer, war Mengeles früherer Lehrer. Einmal ließ Mengele eine ganze achtköpfige Familie ermorden, um die verschiedenfarbigen Augenpaare der Menschen an das Dahlemer Institut zu übersenden.

Nach dem Krieg flüchtete Mengele nach Argentinien, später nach Paraguay und Brasilien, wo er vermutlich 1979 bei einem Badeunfall ums Leben kam.

Auch andere SS-Ärzte missbrauchten Sinti- und Roma-Häftlinge in Auschwitz für ihre medizinischen Experimente. So führte Dr. Horst Schumann an Frauen und Kindern aus dem "Zigeunerlager" Sterilisationsversuche mit Röntgenstrahlen durch, die mit unvorstellbaren Qualen verbunden waren.

"SS-Hauptsturmführer Dr. Josef Mengele versieht seinen Dienst als Lagerarzt im KL Auschwitz seit dem 17. Juni 1943. Er hat sich in der Erfüllung der ihm übertragenen Arbeiten ganz besonders hervorgetan und über seinen Dienst hinaus sich noch mit dringenden wissenschaftlichen Problemen in der Erforschung der Rassezugehörigkeit der Zigeuner betätigt.

Außerdem hat er regelmäßig an der Erledigung besonderer Aufgaben mitgearbeitet ... Seine Haltung sowohl als Arzt als auch als Soldat ist ohne jeden Tadel." (Antrag zur Verleihung eines Kriegsverdienstkreuzes an den SS-Arzt Dr. Mengele)