Medizinische Experimente

In vielen Konzentrations- und Vernichtungslagern führten SS-Ärzte medizinische Versuche an Sinti- und Roma-Häftlingen durch. Die Experimente wurden meist von Heinrich Himmler persönlich angeordnet oder genehmigt. Enno Lolling, Chef des Amtes D III im SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt, hatte die Aufgabe, die verschiedenen Versuche an KZ-Häftlingen zu koordinieren.

Neben militärischen und staatlichen Stellen waren es die Ärzte selbst, die KZ-Häftlinge als "Versuchsmaterial" anforderten. Unterstützt wurden sie dabei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, welche auch die berüchtigten Zwillingsversuche Mengeles in Auschwitz finanziell förderte. Auch in anderen KZs, wie Natzweiler oder Dachau, fanden medizinische Experimente statt.

Für die Opfer waren die medizinischen Versuche mit unsagbaren Qualen verbunden. SS-Ärzte zwangen Sinti- und Roma-Häftlinge, Giftgas einzuatmen, infizierten sie mit Erregern oder führten Operationen ohne Narkose an ihnen durch. Die wenigen Überlebenden bleiben lebenslang gezeichnet von den körperlichen und seelischen Verletzungen.

Auf Tagungen, auf denen die Ergebnisse der Experimente öffentlich vorgestellt wurden, erhielten weite Teile der Ärzteschaft Kenntnis von den Menschenversuchen. Proteste gab es nicht. Nur wenige der verantwortlichen Ärzte wurden nach dem Krieg zur Rechenschaft gezogen.