Massenerschießungen

Sabac (Militärmuseum, Belgrad)

Im Juni 1941 überfielen Hitlers Truppen die Sowjetunion. Von Anfang an wurde der Krieg gegen Russland als ideologischer Vernichtungskrieg geführt. Ganze Dörfer und Kleinstädte gingen in Flammen auf. Heinrich Himmler fiel die Aufgabe zu, die Ausrottungspläne in die Tat umzusetzen. Mordkommandos der SS, so genannte Einsatzgruppen, durchkämmten die Gebiete hinter der Front systematisch nach Roma, Sinti und Juden, die an Ort und Stelle umgebracht wurden. Bei den Morden setzte man auch eigens zu diesem Zweck entwickelte Gaswagen ein.

Bereits sechs Wochen nach Besatzungsbeginn ordnete der Wehrmachtsbefehlshaber in Serbien, General Ludwig von Schröder, die Registrierung aller Juden und "Zigeuner" und deren Kennzeichnung mit gelben Armbinden an. Außerdem verfügte er ihre Entlassung aus allen öffentlichen Ämtern und privaten Betrieben, die Enteignung ihres Grundvermögens und die Einführung von Zwangsarbeit.

"Im Interesse der Befriedung wurde durch deutsche Verwaltung... die Judenfrage, ebenso wie die Zigeunerfrage völlig liquidiert (Serbien einziges Land, in dem Judenfrage und Zigeunerfrage gelöst)." (Harald Turner, Leiter des Verwaltungsstabs der Militärverwaltung in Serbien, am 29.8.1942)

Sabac (Militärmuseum, Belgrad)

Ab Herbst 1941 wurden die serbischen Roma und Juden in Konzentrationslager deportiert. Unter dem Deckmantel von "Sühnemaßnahmen" betrieben die deutschen Besatzungsbehörden ihre systematische Vernichtung. So führten auch Exekutionskommandos der Wehrmacht Massenerschießungen durch. Wie überlieferte Berichte zeigen, gingen sie dabei genauso vor wie die  "Einsatzgruppen" in der Sowjetunion. Auch in Kroatien, einem Satellitenstaat Hitlers, wurden Sinti und Roma von Milizionären der Ustascha systematisch umgebracht. Allein im KZ Jasenovac ermordeten sie zehntausende Angehörige der Minderheit auf bestialische Weise.

"Zuerst musste das Mädchen ein Loch auf dem Feld ausheben, während ihre Mutter, die im 7. Monat schwanger war, an einem Baum gefesselt zusehen musste. Sie [Ustascha-Milizionäre] schlitzten der Schwangeren mit einem Messer den Bauch auf, rissen das Ungeborene heraus und warfen es in das Erdloch. Dann warfen sie die Mutter hinein und auch das kleine Mädchen, nachdem sie es erst vergewaltigt hatten. Sie lebte noch, als sie das Loch zuschaufelten." (Angela Hudorovic)

(Insitut für Nationales Gedenken, Warschau)

Im besetzten Polen sind bisher etwa 180 Orte bekannt, an denen Sinti und Roma durch Exekutionskommandos der SS, der Polizei und der Wehrmacht ermordet wurden. Einer dieser Orte ist das Dorf Szczurowa. Am Morgen des 3. Juli 1943 brachte man die Roma-Familien zum Friedhof und erschoss sie dort. Anschließend brannten die Täter ihre Häuser nieder.

Der Massenmord war integraler Bestandteil der deutschen Besatzungspolitik im Osten, in die große Teile der militärischen wie zivilen Behörden verstrickt waren. Neben der Polizei beteiligte sich auch die Wehrmacht an der "rassischen" Vernichtungspolitik und arbeitete dabei eng mit der SS zusammen. Dabei bediente man sich auch einheimischer Hilfstruppen.

In allen besetzten Gebieten Ost- und Südosteuropas fiel die einheimische Sinti- und Roma-Bevölkerung den systematischen Morden zum Opfer. Männer, Frauen und Kinder wurden ausnahmslos umgebracht und anschließend in Massengräbern verscharrt. Bis heute kennt niemand ihre genaue Zahl. Tausende weitere Sinti und Roma kamen in den Gettos sowie den Konzentrations- und Vernichtungslagern im besetzten Polen ums Leben.

Nürnberger Prozesse, Kreuzverhör von Otto Ohlendorf

US-Ankläger J. Heath: ... Und was ist mit den Zigeunern? Ich glaube, Sie haben keine Vorstellung, wie viele Zigeuner Ihr Kommando umgebracht hat?
Ohlendorf: Nein, das weiß ich nicht.
Heath: Aus welchem Grunde töteten Sie die Zigeuner? Einfach deshalb, weil es Zigeuner waren? Waren sie eine Gefahr für die Sicherheit der Wehrmacht?
Ohlendorf: Es ist ebenso wie mit den Juden.
Heath: Blut? ...
Ohlendorf: Es bestand kein Unterschied zwischen den Zigeunern und den Juden. Für beide galt damals der gleiche Befehl.