Zwangssterilisationen

Amalie Schaich (Bundesarchiv)

Im KZ Ravensbrück führten SS-Ärzte bis kurz vor Kriegsende Zwangssterilisationen an Sinti- und Roma-Frauen durch. Hierfür entwickelte Prof. Carl Clauberg mit Genehmigung Himmlers in Auschwitz ein besonders grausames Verfahren: Ohne Betäubung spritzte er Frauen ätzende Flüssigkeiten in den Unterleib. In Ravensbrück setzte Clauberg seine Versuche fort. Auch Mädchen im Kindesalter waren davon betroffen. Viele starben qualvoll an den Folgen der Eingriffe. Außerdem missbrauchte der SS-Arzt Dr. Horst Schumann Sinti- und Roma-Mädchen in Ravensbrück für Sterilisationsexperimente mit Röntgenstrahlen, die er ebenfalls zuvor in Auschwitz erprobt hatte.

"In Ravensbrück war ich auch Zeuge, wie die SS-Ärzte junge Sinti-Mädchen zwangssterilisiert haben. Sie wurden von den Blöcken abgeholt um 'operiert' zu werden - das ist abgelaufen wie auf einer Schlachtbank. Die Mädchen haben so sehr geschrien, dass ich mir die Ohren zugehalten habe, weil ich es nicht mehr ertragen konnte. Das Schlimmste war, dass viele Mädchen viel jünger waren, als sie sich ausgegeben haben. Wir lebten ja in ständiger Furcht, dass die Kinder erneut selektiert und nach Auschwitz zurückgeschickt werden. Von einem Kind, das sterilisiert worden ist, wusste ich, dass es erst sieben Jahre alt war." (Amalie Schaich)

"Während einige Deutsche als eine Form individueller Bestrafung sterilisiert werden konnten, waren als Gruppe nur die Zigeunerinnen Gegenstand einer solchen Behandlung, eine nach der anderen - sogar die jüngsten Mädchen." (Germaine Tillion, die aus politischen Gründen in Ravensbrück inhaftiert war)

"Nur den ungefähr letzten zehn wurde durch das Eingreifen der SS-Schwester eine Narkose gegeben. Ich habe die Kinder die ganze Nacht nach der Operation gepflegt. All diese Mädchen bluteten... und hatten solche Schmerzen, daß ich ihnen heimlich Beruhigungsmittel geben mußte. Am Morgen vor dem Appell brachte ich die Kinder mit Hilfe von Mädchen, die im Revier arbeiteten, in ihre Blocks." (Zeugenaussage einer ehemaligen tschechischen Häftlingsärztin im Nürnberger Ärzteprozess)