Ausschluss aus dem Schulunterricht

Margot Krause (3. Reihe, 6. von links) in der Wilhelm-Schule in Greven, ca. 1938, wurde vom Schulunterricht ausgeschlossen und in Auschwitz ermordet (Stadtarchiv Greven)

In vielen Orten wurden Sinti- und Roma-Kinder als "Fremdrassige" vom Schulunterricht ausgeschlossen. Die formale Grundlage für den Ausschluss bildete ein Erlass des "Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung", der am 15. Juni 1939 für Österreich erging und am 22. März 1941 auf das gesamte Reichsgebiet übertragen wurde.

In einigen Städten wie Köln oder Gelsenkirchen richteten die nationalsozialistischen Behörden besondere "Zigeunerklassen" ein, in denen Sinti- und Roma-Kinder getrennt von den "deutschblütigen" Kindern unterrichtet wurden. Die meisten Lehrer begegneten Sinti- und Roma- Kindern mit Gleichgültigkeit oder offener Ablehnung, nur wenige couragierte Lehrer setzten sich für sie ein. Auch jene Kinder, welche die Schule zunächst weiterbesuchen dürften, wurden im Frühjahr 1943 mit ihren Familien nach Auschwitz deportiert.

"Im Jahr 1938 ist meine Familie von meiner Geburtsstadt Dortmund nach Frankfurt umgezogen, wo mein Vater eine leitende Stellung bei der Post am Hauptbahnhof gehabt hat. Wir waren sieben Geschwister, ich war das vierte Kind. Mein Bruder Heinz und ich waren in der Frankensteinerschule, wo ich in die 4. Klasse ging; meine Schwestern waren in der Elisabethenschule und in der Hölderlinschule. Etwa zwei Jahre lang ging ich in die Schule und habe mich dort sehr wohl gefühlt, ich war ein richtiger ‘Frankfurter Bub’.

Eines Tages im Jahr 1940 hat es plötzlich geklopft, und es kamen zwei Männer mit schwarzen Ledermänteln herein, die sich leise mit meinem Lehrer unterhalten haben. Nachdem sie wieder hinausgegangen waren, hat mich mein Lehrer, zu dem ich ein sehr gutes Verhältnis hatte, zu sich gerufen. Er sagte zu mir, dass draußen zwei Gestapo-Männer stünden, die mit mir sprechen wollten. Ich habe natürlich gleich Angst bekommen, dass ich etwas angestellt hätte - ich war immer mit meiner Clique zusammen gewesen, wir haben Fußball gespielt, haben auch mal Fensterscheiben eingeworfen beim Räuber- und Gendarmspielen, eben diese Jugendstreiche. Mein Lehrer sagte aber: Nein, es sei nicht so schlimm, ich solle meinen Ranzen nehmen, denn morgen sei ich ja wieder hier. Er wollte mich trösten, obwohl er es besser wusste - aber er konnte mir nicht helfen.

Ich hab daraufhin meinen Ranzen genommen und bin vor die Tür gegangen, wo mein Bruder Heinz - er war eine Klasse höher als ich - mit den Gestapo-Männern bereits gewartet hat. Gemeinsam brachte man uns zu unserer Wohnung in der Löhergasse, von wo aus die gesamte Familie zum Internierungslager in der Dieselstraße gebracht wurde." (Herbert Adler)

Herbert Adler in der Gedenkstätte Sachsenhausen im Dezember 2004