Ausschluss aus dem Arbeitsleben

Lisetta und Anton Rose

Schon bald nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gab es Versuche, Sinti und Roma aus dem Erwerbsleben herauszudrängen. Als "Nichtarier" wurden sie in der Folgezeit aus Berufsorganisationen wie der Handwerkskammer oder der Reichskulturkammer ausgeschlossen. Arbeitsämter verhinderten, dass jugendliche Sinti und Roma eine Lehre beginnen konnten. Angehörige der Minderheit mussten ihre Geschäfte aufgeben oder wurden von ihren Arbeitsplätzen verdrängt.

Vielfach missbrauchte man sie zur Zwangsarbeit in Rüstungsbetrieben. Im März 1942 wurden Sinti und Roma arbeits- und sozialrechtlich den Juden gleichgestellt: Sie hatten keinen Anspruch mehr auf Lohnfortzahlung bei Krankheit und an Feiertagen. Außerdem wurde ihnen eine "Rassensondersteuer" in Höhe von 15% ihres Einkommens auferlegt.

Anton Rose etwa führte mit seinen Söhnen in Darmstadt ein Lichtspieltheater. Bereits 1934 versuchte die Gaustelle Hessen-Nassau bei der Reichsfilmkammer den Ausschluss von Anton Rose zu erwirken, was einem Berufsverbot gleichgekommen wäre. Anton Rose legte daraufhin Beschwerde ein und erhielt zunächst recht. In dem Schreiben der Reichsvereinigung Deutscher Lichtspieltstellen an Anton Rose vom 31.8.1934 "ein unvorteilhaftes Aeussere eines Volksgenossen kann nicht Veranlassung geben, ihm seinen Broterwerb zu entziehen." Doch schon drei Jahre später erfolgte die endgültige, zwangsweise Einstellung des Familienunternehmens aus "rassischen" Gründen. 

Schreiben der Reichsvereinigung Deutscher Lichtspieltstellen

Wie viele andere wurde Anton Rose später in Auschwitz ermordet. Lisetta Rose wurde nach Ravensbrück verschleppt; sie starb dort wenig später an Entkräftung. Insgesamt fielen 13 Angehörige der Familie Rose dem Völkermord zum Opfer.

"Der Jude und Zigeuner steht in keinem Arbeitsverhältnis, sondern in einem Beschäftigungsverhältnis eigener Art und damit außerhalb der Grundnormen des deutschen Arbeitsverfassungsrechts... Juden und Zigeuner haben die ihnen von den Arbeitsämtern zugewiesenen Arbeiten anzunehmen. Sie dürfen grundsätzlich nur in Gruppen und von der übrigen Gefolgschaft getrennt beschäftigt werden. Die getrennte Beschäftigung muss auch dann erfolgen, wenn ausnahmsweise mit Genehmigung des Landesarbeitsamtes ein Gruppeneinsatz nicht erfolgt. Die Beschäftigung von jüdischen oder zigeunerischen Lehrlingen oder Anlernlingen ist ausnahmslos verboten." (aus: Rassen- und Erbpflege im Deutschen Recht, 1943)

Aus den Berichten Überlebender

"Ich versuchte, irgendeinen Beruf zu erlernen und fand eine Stelle als Lehrmädchen in einer Konditorei. Doch das dauerte nur vierzehn Tage. Eines Abends, kurz nach Ladenschluss, nahm mich meine Chefin beiseite und fragte: 'Elisabeth, warum bist du denn so schwarz?' Ich wurde verlegen und spürte, wie mir das Blut in den Kopf stieg. Die Frau nahm mich in den Arm und erzählte mir, dass am Nachmittag zwei Gestapo-Leute bei ihr waren und sie aufgefordert hätten, mich unverzüglich zu entlassen, da sie sonst mit einer Anzeige rechnen müsse." (Elisabeth Guttenberger)

"Ich war bis zum Jahre 1938 im Besitze einer Lizenz für Schausteller. Mit der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich wurde mir die Lizenz entzogen, weil ich  nicht in der Lage war, den Ariernachweis zu erbringen, da  ich angeblich von 'Zigeunern' abstammen soll. Seit diesem Zeitpunkt war ich unter ständiger Bewachung der Gestapo. Ich wurde in den Rüstungseinsatz in das ehemalige Göringwerk dienstverpflichtet, durfte das Stadtgebiet nicht verlassen... Meine Mutter Cäcilie Kohlberger starb im Konzentrationslager Auschwitz. Mein Bruder Julius Kohlberger ging mit drei Kindern im Konzentrationslager Dachau zugrunde. Meine Schwester Albine Rosenfeld starb mit ihren acht Kindern im Lager Litzmannstadt, alle aus dem Grunde, weil wir 'Nichtarier' waren." (Maria Kohlberger)

Gerhard Braun
Anneliese Franz
Johann Trollmann

Gerhard Braun
Gerhard Braun war Saxophonist im Berliner Rundfunkorchester, bevor er nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde.

Anneliese Franz
Anneliese Franz arbeitete über 20 Jahre in der Füllerfabrik König in Heidelberg. 1944 wurde sie in der dortigen Universitätsklinik zwangssterilisiert. Der Großteil ihrer Familie fiel dem Holocaust zum Opfer.

Johann Trollmann
Der Titel als deutscher Meister im Halbschwergewicht wurde dem Boxer Johann Trollmann bereits im Juni 1933, wenige Tage nach seinem Sieg über Adolf Witt, aus "rassischen" Gründen aberkannt. In der gleichgeschalteten Fachpresse als "Zigeuner" diffamiert, musste Trollmann seine Karriere aufgeben. Später wurde er aus der Wehrmacht ausgeschlossen und in das Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg deportiert, wo ihn die SS am 9. Februar 1943 ermordete.