Ausgrenzung

Bürgerhospital Köln (Hist. Archiv Köln)

Die nationalsozialistische "Rassenpolitik" bestimmte den Alltag der Minderheit. In vielen Städten durften Sinti und Roma nur zu bestimmten Zeiten und in wenigen ausgewählten Geschäften einkaufen. Die Benutzung bestimmter Verkehrsmittel wurde ihnen verboten. Sie wurden aus dem Erwerbsleben gedrängt und aus Berufsorganisationen ausgeschlossen. Zugleich sollten keine Mietverträge mehr mit Sinti und Roma abgeschlossen und bereits bestehende gelöst werden. Oft wurden Angehörige der Minderheit auch zu Opfern gezielter Denunziationen.

Auch von der medizinischen Versorgung wurden Sinti und Roma ausgeschlossen, indem viele Krankenhäuser, Ärztinnen und Ärzte ihnen die Behandlung verweigerten. Nach einer Beschwerde des Bürgerhospitals ordnete die Stadt Köln im Dezember 1939 an, dass "krankenhauspflegebedürftige Zigeuner in allen Fällen dem Israelitischen Asyl in Köln-Ehrenfeld überwiesen werden".

Den Kommunen kam eine wichtige Rolle bei dem Prozess der Ausgrenzung zu. Entscheidungsprozesse und Initiativen auf lokaler und kommunaler Ebene trugen wesentlich dazu bei, die gegen Sinti und Roma gerichtete "Rassenpolitik" auch auf Reichsebene voranzutreiben. Die Umsetzung der zentralen Deportationsbefehle war nur möglich durch die Beteiligung der Behörden vor Ort, die sich bereitwillig in den Dienst der Nationalsozialisten stellten und an der Durchführung des Völkermords unmittelbar beteiligt waren.

" ... der allgemein bei deutschen Volksgenossen berechtigte Maßstab der Gesundheits- und Lebensgefährdung [ist] bei Zigeunern nicht begründet Eine stationäre Krankenhausbehandlung wird m. E. allgemein nur dann anerkannt werden können, wenn  a) die deutsche Öffentlichkeit andernfalls gefährdet ist, b) eine Lebensgefahr besteht, die anders als durch stationäre Krankenhausbehandlung zweifelsfrei nicht beseitigt werden kann, sodass die Arbeitskraft des betreffenden Zigeuners verloren gehen würde. Der regelmäßig anzulegende Maßstab ergibt sich aus dem Wertverhältnis der Zigeuner für die deutsche Volksgemeinschaft." (Verordnung der Stadt Hamm zur "Krankenhausbehandlung von Zigeunern" vom 13.11.1942)

Selbst der Besuch von Lokalen, Kinos oder Theatern und sogar die Benutzung von Spielplätzen wurden Sinti und Roma untersagt. In vielen Orten durften Kinder nicht mehr die Schule besuchen. Während des Kriegs durften sie nicht einmal in Luftschutzbunkern Zuflucht suchen. Selbst Soldaten wurden von der Wehrmacht ausgeschlossen.

"In den letzten Jahren ist wiederholt von der Bevölkerung darüber geklagt worden, dass sich die Zigeunerkinder auf dem Spielplatz sehr breit machen und den deutschen Kindern den Aufenthalt auf diesem Platz verleiden ... Es wird daher vorgeschlagen, den Zigeunern und ihren Mischlingen als nichtarische Elemente das Betreten des Kinderspielplatzes zu verbieten. Zu diesem Zweck müssten 1 bis 2 Schilder angebracht werden mit der Aufschrift 'Zigeunern und Zigeunermischlingen ist das Betreten des Spielplatzes verboten'.
Der Bürgermeister. Nach Rücksprache mit Herrn Stadtoberinspektor Kuhlen bestehen rechtlich keine Bedenken. Herr Kriminalkommissar Kemena erklärt auf Anfragen, dass s. E. auch seitens der Geheimen Staatspolizei keine Bedenken bestehen." (Stadtgartenverwaltung Minden, 21.4.1943)

"Die Aufstellung der Schilder auf dem Kinderspielplatz am Königsglacis hat den entsprechenden Erfolg gehabt. Zigeunerkinder und Zigeunermischlinge sind nach Anbringung der Schilder auf dem Spielplatz nicht mehr gesehen worden."
(Stadtgartenverwaltung Minden, 22.10.1943)