Entrechtung

Emil Christ, hier mit seiner Cousine, wird später aus der Wehrmacht entlassen und mit seiner Frau und seinen zwei Kindern nach Auschwitz deportiert

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Hindenburg den "Führer" der NSDAP, Adolf Hitler, zum Reichskanzler. Innerhalb weniger Monate zerstörten die Nationalsozialisten den demokratischen Rechtsstaat. Nach dem Reichstagsbrand wurden die Grundrechte aufgehoben, bald darauf Reichstag und Länderparlamente entmachtet und alle Parteien – außer der NSDAP – verboten. Obwohl sich zu diesem frühen Zeitpunkt Terror und Verfolgung vor allem gegen politische Gegner und Gegnerinnen richteten, kam es von Anfang an auch zu Misshandlungen von Sinti und Roma und ihrer Verschleppung in die ersten  Konzentrationslager.

Der politischen Machtübernahme folgte die kulturelle "Gleichschaltung": Die Meinungsfreiheit wurde beseitigt und die Medien auf die "Weltanschauung" des NS ausgerichtet. Der Herrschaftsanspruch war total. Schrittweise versuchten sie, alle Bereiche von Staat und Gesellschaft zu durchdringen, um ihre ideologischen Ziele zu verwirklichen. Ein Netz von Parteiorganisationen und Verbänden diente der Indoktrination und Kontrolle.

Bereits nach der Machtübernahme erfolgte die schrittweise Ausgrenzung der Sinti und Roma aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Die Nationalsozialisten beraubten sie ihrer Bürgerrechte. Die Rassenideologie wurde zum bestimmenden politischen Programm, dem auch die Rechtsordnung unterstellt wurde. Die staatlichen Institutionen wurden allmählich ausgehöhlt und mit Parteiorganisationen verschmolzen. Parallel zur traditionellen Verwaltung bildeten sich neue autonome Machtzentren, die Hitler unmittelbar unterstanden und die sich von jeder gesetzlichen Bindung lösten. Eine Schlüsselrolle spielte dabei die SS, die unter Führung Heinrich Himmlers bald den gesamten Polizeiapparat kontrollierte und schließlich zum Vollstreckungsorgan der "Endlösung" heranwuchs.