Pressemitteilungen

30.07.2018 | Allgemein

Internationale Gedenkfeier am 2. August 2018 in Auschwitz-Birkenau anlässlich des 74. Jahrestages der Mordaktion zur Vernichtung der Sinti und Roma am 2. August 1944

Der Zentralrat und das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma nahmen am 2. August 2018 unter der Leitung von Romani Rose mit einer Delegation von 50 Personen, darunter auch Überlebende des Holocaust, an dem Internationalen Roma-Gedenktag in Auschwitz-Birkenau teil. Neben den Überlebenden waren zahlreiche Vorstände der Landes- und Mitgliedsverbände des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma bei dem Gedenkakt anwesend. Der Gedenktag wird vom Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Kooperation mit dem Verband der Roma in Polen vorbereitet. Viele Vertreter des diplomatischen Corps, sowie verschiedene internationale Delegationen waren anwesend.

Für die Überlebenden des Holocaust sprach Rita Prigmore. die als kleines Kind zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Opfer medizinischer Versuche der Nazis wurde.  Sie selbst überlebte, ihre ganze Familie wurde ermordet.  In ihrer Ansprache appellierte sie als Überlebende des Holocaust an Politik und Gesellschaft für Menschlichkeit im Umgang mit Flüchtlingen : „Wir leben in einer Zeit, in der Politiker Mauern bauen, um Wählerstimmen zu gewinnen. Politiker werfen den Menschen, die aus großem Elend zu uns kommen, vor, den Sozialstaat zu missbrauchen und „Asyl-Tourismus“ zu betreiben.[…] Sie sagen uns, dass unser Leben sicherer wäre, wenn wir uns von den anderen trennen und dass wir Flüchtlinge zurückschicken sollten, um unser Glück und unseren Wohlstand zu sichern. Meiner Meinung nach ist das falsch! Wir müssen uns menschlich zeigen und ein Europa aufbauen, das ein menschliches Herz hat!

Beate Klarsfeld unterstrich die gemeinsame Verfolgung von Sinti und Roma wie von Juden durch die Nazis, beide Gruppen seien aus den gleichen rassistischen Gründen und mit den gleichen Methoden verfolgt und ermordet worden.  Für beide Minderheiten gelte aber auch, daß sie bis heute durch gewaltbereiten Antisemitismus und Antiziganismus bedroht sind : "Wenn dann auch Repräsentanten wie zum Beispiel der italienische Innenminister fordern, Sinti und Roma in Italien wieder gesondert zu erfassen, und wenn er dann bedauert, daß er diejenigen, die italienische Staatsbürger sind, wie er sagt 'leider behalten müsse', dann steht er damit in einer Tradition von Erfassung und Deportation, die sehr an die Zeit des Faschismus erinnert", so Beate Klarsfeld.

Dunja Mijatović, Menschenrechtskommisarin des Europarats, betonte in ihrer Rede, ein Besuch des staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, rufe nicht nur die Pflicht des Erinnerns ins Gedächtnis, sondern vermittle das Gefühl, im Sinne dieses Erinnerns handeln zu müssen, „um der gegenwärtigen und den zukünftigen Generationen zu helfen, sich den Vorurteilen und dem Hass entgegen zu stellen, die den Holocaust möglich gemacht haben und die so viel Leid über unsere Mitmenschen gebracht haben, nur weil sie Juden, Roma oder in anderer Weise als nicht in die monströsen Pläne des Nazi-Regimes passend angesehen wurden.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, begrüßte insbesondere die große Zahl an jungen Teilnehmern : „Es freut mich zu sehen, dass über 250 jungen Roma aus zwanzig Ländern Europas hierher zu dieser Gedenkfeier gekommen sind.  Damit setzen sie ein klares Zeichen für unsere gemeinsamen europäischen Werte.  Es ist wichtig für uns alle, dass alle unsere jungen Leute ihre Geschichte kennen, um Verantwortung für die Gegenwart übernehmen zu können.  Dies ist vor allen Dingen auch ein klares Signal gegen den zunehmend gewaltbereiten Antiziganismus und den krankhaften Nationalismus, die in Europa grassieren.“  Rose teilte ausdrücklich die Kritik von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, an der zunehmenden Verrohung der Sprache, insbesondere der Hate-Speech im Internet.  „Hier sollen durch gezielte rechtsextreme Provokationen die Grenzen des Rechtsstaats verschoben und aufgehoben werden.  Es ist fatal und eine zusätzliche Bedrohung unserer Demokratie und unserer Werte, wenn dann auch noch Politiker aus demokratischen Parteien versuchen, diese Extremisten rechts zu überholen.  Das zerstört unsere christlichen Werte und unterminiert unseren Rechtsstaat“, so Rose.

Die Reden von Beate Klarsfeld, Rita Prigmore und Dunja Mijatović, Menschenrechtskommisarin des Europarats, finden Sie unter https://bit.ly/2O2K4KZ

Zum Hintergrund:

Die Nationalsozialisten verschleppten von März 1943 bis Juli 1944 23.000 Roma und Sinti aus elf Ländern Europas nach Auschwitz. Nahezu alle fanden dort den Tod. Am 2. August 1944 wurden die im Lagerabschnitt B II e des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau verbliebenen 2.900 Sinti und Roma ermordet. Ein vorangegangener Versuch, 6.000 Roma und Sinti in die Gaskammern zu bringen, scheiterte am 16. Mai 1944 an dem Widerstand der Häftlinge. In den darauf folgenden Wochen wurden 3.000 der an dem Aufstand beteiligten Häftlinge bei Selektionen von SS-Ärzten als „noch arbeitsfähig“ eingestuft und zur Sklavenarbeit in andere Konzentrationslager im Reichsgebiet verschleppt, nach Buchenwald, Mauthausen, Ravensbrück, Sachsenhausen und Dachau. Zurück in Auschwitz blieben 2.900 Roma und Sinti, überwiegend Kinder, deren Mütter und alte Menschen. Die SS ermordete sie in der Nacht vom 2. auf den 3. August in den Gaskammern und verbrannte die Leichen in einer Grube neben dem Krematorium V.

01.02.2018 | Allgemein

Gedenkstunde am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma

Berlin / 1. Februar 2018 / Bei einer Gedenkveranstaltung am 29. Januar 2018 am Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas anlässlich des Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus hoben die Rednerinnen und Redner die Wichtigkeit des Erinnerns hervor und appellierten an die besondere Verantwortung Deutschlands gegenüber den heute lebenden Nachfahren der in der NS-Zeit verfolgten und ermordeten Sinti und Roma.

29.01.2018 | Allgemein

Gedenkveranstaltung Holocaustgedenktag

Gedenkveranstaltung anlässlich des Holocaust-Gedenktages 2018

Anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus laden das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma zu einer Gedenkveranstaltung für die über 500 000 Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes ein. 

Im Anschluss möchten wir Sie noch von 18 – 20 Uhr zur Eröffnung der Ausstellung des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg „Die NS-Verfolgung der Sinti und Roma in Berlin“ in das Projektbüro des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma (Aufbau Haus am Moritzplatz, Prinzenstr. 84.2, 10969 Berlin) einladen.

Es spricht unter anderem die Historikerin Josephine Ulbricht zum Thema „Verwaltet und verwertet. Der Umgang der NS-Behörden mit dem Vermögen deportierter Sinti und Roma“ (Arbeitstitel).

Presse- und Interviewanfragen:

Sollten Sie eine Presse- oder Interviewanfrage haben, melden Sie sich gerne unter thomas.baumann@sintiundroma.de oder 06221 98 11 02.

07.03.2017 | Allgemein

Niederländischer Holocaust-Überlebender Zoni Weisz feierte seinen 80. Geburtstag

Am 4. März feierte der niederländische Holocaust-Überlebende seinen 80. Geburtstag. Romani Rose gratulierte Zoni (Johan) Weisz im Namen des Zentralrats und des Dokumentationszentrums Deutscher Sinti und Roma herzlich zu seinem Ehrentag und bedankte sich für sein jahrelanges Engagement für Demokratie und Menschenrechte.

Zoni Weisz sprach am 27. Januar 2011 als erster Repräsentant der Sinti und Roma am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in der Gedenkveranstaltung des Deutschen Bundestages. Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma betonte in seiner Gratulation erneut die symbolträchtige Rede vor dem deutschen Parlament: "Diese großartige und bewegende Rede von Zoni Weisz war ein Augenblick von geschichtlicher Bedeutung. Mit seiner authentischen und zutiefst sympathischen Art hat er die Herzen unzähliger Menschen erreicht. Ich bin ganz sicher: Für viele junge Menschen innerhalb und außerhalb unserer Minderheit ist er ein Vorbild, das auch andere anspornt, sich für eine menschlichere und gerechtere Welt zu engagieren".

Als die Nationalsozialisten im Mai 1944 in den besetzten Niederlanden Sinti und Roma verhafteten, gelang Zoni Weisz mit Hilfe eines niederländischen Polizisten die Flucht. Der damals Siebenjährige entging der Deportation nach Auschwitz, jedoch seine Eltern und Geschwister wurden in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern ermordet.

Nach dem Krieg machte er sich als einer der führenden Floristen der Niederlande auch international einen Namen. Trotz eines erfüllten Lebens und der beruflichen Erfolge blieb die schmerzhafte Erinnerung an die geraubte Kindheit und die verlorene Familie: "Fast jeden Tag erinnere ich mich einen Moment an das, was passiert ist", so Weisz in einem Interview.

Seit vielen Jahren gehört Zoni Weisz zu den herausragenden Persönlichkeiten der Niederlande: Durch seine Berichte als Zeitzeuge an Schulen, sein Engagement im Auschwitz-Komitee, seinen Einsatz für die Bürgerrechte der niederländischen Sinti und Roma und nicht zuletzt als Jurymitglied für die Vergabe des Europäischen Bürgerrechtspreises der Sinti und Roma, hält er die Erinnerung an die Opfer des Holocaust wach.

27.01.2017 | Allgemein

Ausstellung „The Holocaust against the Roma and Sinti“ anlässlich des Internationalen Holocaustgedenktages bei den Vereinten Nationen in Genf zu sehen

Vor 72 Jahren befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, dessen Name zu einer Chiffre für den staatlich organisierten Massenmord durch die Nationalsozialisten geworden ist. Der European External Action Service (EEAS) bei den Vereinten Nationen in Genf zeigt daher anlässlich des Internationalen Holocaustgedenktages die Ausstellung "The Holocaust against the Roma and Sinti and present day Racism in Europe" des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma im "Palais des Nations". Die Ausstellung soll über ein besseres Verständnis der Vergangenheit aktuelle Konfliktlagen überwinden helfen und wird noch bis zum 8. Februar zu sehen sein.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Annäherung an den Holocaust an den Roma und Sinti und dessen europäische Dimension: ein Menschheitsverbrechen, das sich bis heute allen historischen Vergleichen entzieht und in seinem Ausmaß unvorstellbar bleibt. Dabei waren Roma und Sinti ebenso wie Juden auf der Grundlage der nationalsozialistischen Rassenideologie vom Säugling bis zum Greis erfasst, entrechtet, gettoisiert und schließlich in die Vernichtungslager deportiert worden.

In seinem Grußwort zur Ausstellungseröffnung am 26. Januar betonte Rose: „Es kann heute nicht darum gehen, den Nachkommen der Täter Schuld aufzubürden. Der Sinn des Erinnerns und des Gedenkens besteht vielmehr in der gelebten Verantwortung für die Gegenwart. Gerade in der heutigen Zeit, in der Extremisten darauf abzielen, die Grundlagen unseres friedlichen Zusammenlebens zu zerstören, ist gesellschaftliche Solidarität zur Verteidigung unserer gemeinsamen Werte besonders wichtig.“

Neben Romani Rose sprachen auch Botschafter Peter Sørensen, Leiter der Delegation der Europäischen Union bei den UN, Michael Møller, Generaldirektor des Büros der UN in Genf, Botschafter Adrian Vierita, Ständiger Vertreter Rumäniens bei den UN in Genf sowie Botschafter Aviva Raz Shechter, Ständiger Vertreter Israels bei den UN in Genf Grußworte.

04.10.2016 | Allgemein

Dirigent Riccardo M Sahiti mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet

Anlässlich des Tages der Deutschen Einheit erhielt der Dirigent der Roma und Sinti Philharmoniker Riccardo M Sahiti heute für sein künstlerisches Schaffen das Verdienstkreuz am Bande durch Bundespräsident Joachim Gauck. 

 

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, nahm ander Verleihung teil und sagte über Sahitis künstlerisches Schaffen: „Anstelle einer in weiten Teilen der Gesellschaft vorherrschenden stigmatisierenden und zumeist mit negativen Vorurteilen belasteten Sicht auf die Minderheit, lenkt die Darstellung und Vermittlung des kulturellen Beitrags von Sinti und Roma den Blick auf ihre Verdienste und ihre eigenen Anstrengungen als gleichberechtigte und aktive Bürger Deutschlands und Europas.“

 

Mit viel Idealismus hat der Dirigent Riccardo M Sahiti im Jahr 2002 die Roma und Sinti Philharmoniker gegründet. Dem international einmaligen Orchester gehören überwiegend Musikerinnen und Musiker der Sinti und Roma-Minderheit an. Sie kommen aus Symphonieorchestern ganz Europas zusammen, um Werke aufzuführen, die in der Kultur der Roma und Sinti verwurzelt oder durch sie inspiriert sind. Dazu gehören sowohl das klassische Repertoire von Brahms, Liszt oder Bizet als auch neue Kompositionen von Roma und Sinti.

 

Mit dem von dem Orchester uraufgeführten "Requiem fürAuschwitz" des Sinto Roger Moreno Rathgeb hat Riccardo M Sahiti auch dazu beigetragen, die leidvolle Geschichte der Sinti und Roma wachzuhalten. Sein Wirken zeigt eindrucksvoll, wie bedeutend das künstlerische Schaffen von Minderheiten für die deutsche und europäische Kultur war und ist und bewahrt deren kulturelles Erbe.

29.09.2016 | Allgemein

Die Bundeskanzlerin und weitere prominente Gäste gratulieren Romani Rose und würdigen seine Lebensleistung

Zahlreiche prominente Gäste aus Politik und Gesellschaft gratulierten am 27. September dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, anlässlich eines Festaktes zu seinem 70. Geburtstag im Aufbau Haus in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel wünschte ihm „weiterhin Kraft für den gemeinsamen Einsatz um die gelebten Grundwerte unserer Demokratie.“

 

In ihrer Glückwunschrede dankte die Bundeskanzlerin dem Zentralratsvorsitzenden,  dass er sich „schon seit Jahr und Tag um unser Land und unser Zusammenleben verdient“ gemacht habe. Geschichte, Kunst und Kultur der Sinti und Roma seien feste Bestandteile unserer gemeinsamen Gesellschaft, so Merkel weiter. Daher begrüßte sie die Gründung eines Europäischen Roma Instituts für Kunst und Kultur in Berlin, das auf Initiative des Europarates und der Open Society Foundations entstehen soll. 

 

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow verband mit seiner Gratulation den Wunsch weiter gemeinsam mit Romani Rose für eine bessere weltoffene Gesellschaft zu streiten. Hartmut Koschyk, der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, lobte die unermüdliche Kraft und Hartnäckigkeit die Rose in den letzten Jahrzehnten in seinem Einsatz für eine offene Gesellschaft bewiesen hat.

 

Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde die Ausstellung zu „45 Jahren Bürgerrechtsarbeit“ in der Berliner Repräsentanz des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma eröffnet. Sie ist dort bis zum 14. November zu sehen und zeigt die Meilensteine der Bürgerrechtsarbeit von der Gründung des damals „Zentral-Komitee der Sinti West-Deutschlands“ genannten Sinti-Verbands, der 1971 in Heidelberg von Romani Rose und anderen jüngeren Sinti ins Leben gerufen wurde, bis zur heutigen Arbeit des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma.

 

Behar Heinemann, die gemeinsam mit dem Zentralrat die Veranstaltung initiiert und die Ausstellung konzipiert hat, betonte in ihrer Laudatio das Ansehen das Romani Rose europaweit genießt. Mensur Haliti von der Open Society Foundations und Ungarns Minister für Humanressourcen, Zoltan Balog, würdigten Rose ebenfalls als besondere europäische Persönlichkeit, die Menschen dazu motiviere Mut zu beweisen.

 

Der Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma, mit Romani Rose als weithin sichtbarer Symbolfigur, sei es in Jahrzehnten beharrlicher politischer Arbeit gelungen, in Politik und Öffentlichkeit einen anderen Blick auf die Minderheit zu etablieren, so Manfred Lautenschläger, langjähriger Unterstützer der Arbeit Romani Roses, Kuratoriumsmitglied des Dokumentations- und Kulturzentrums und Stifter des Europäischen Bürgerrechtspreises Deutscher Sinti und Roma. Weiter sagte Lautenschläger, dass Europa am Scheideweg stehe, da Minderheiten wieder zu Zielscheiben rassistischer Gewalt und Propaganda werden.

 

Der Völkermord an den Sinti und Roma wurde systematisch geleugnet, insbesondere durch ehemalige Angehörige des RSHA (Reichssicherheitshauptamt), die in der Bundesrepublik Deutschland wieder in Polizeibehörden hohe Positionen innehatten.  Erst in den späten 1970er Jahren war es die Gesellschaft für bedrohte Völker, die in der Öffentlichkeit Partei ergriff und dann auch das Schicksal der Sinti und Roma in die Medien bringen konnte. Der Präsident der Gesellschaft für bedrohte Völker und Preisträger des Europäischen Bürgerrechtspreises der Sinti und Roma 2014, Tilman Zülch, wies in seiner Rede auf die Lage der vielen Roma-Familien hin, die aufgrund der Flüchtlingskrise wieder vermehrt abgeschoben werden.

 

Für den Vorstand des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma sprach neben Erich Schneeberger auch Reinhold Lagrene. Er sagte: „In all den Jahren war es Deine aufrechte Art und Deine Gradlinigkeit, die es mir leicht machte, für unsere Sache einzutreten. Mit an deiner Seite stehen zu können, ist für mich eine große Ehre.“

 

Die ehemaligen Präsidentin des Bundestages Rita Süssmuth betonte, dass ohne die Realisierung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg 1997, heute weitere Ideen zu einem übergreifenden Roma-Museum, wie es unter anderem auch die aktuelle Vizepräsidentin des Bundestages Claudia Roth in ihrer Rede ansprach, nicht denkbar wären. Claudia Roth dankte Rose für seine Großherzigkeit und dafür, dass er sich nicht zurückzog, sondern sich einmischte. Sie betonte, dass es keine Selbstverständlichkeit war, dass er dem Land in dem er geboren wurde, nicht den Rücken kehrte, obwohl zahlreiche Angehörige seiner Familie dem NS-Regime zum Opfer fielen. Für die Zukunft wünschte sie dem Jubilar, „dass es die Menschen endlich als Bereicherung erleben, wenn Sinti und Roma in ihrer Nachbarschaft leben".

 

Musikalisch wurde der Festakt begleitet von den Künstlern Dotschy Reinhardt, David Rose, Ferenc Snétberger und den Roma und Sinti Philharmonikern unter der Leitung von Riccardo M. Sahiti, einem Orchester, das ausschließliche aus Musikern aus der Minderheit besteht, die in den großen europäischen Ensembles engagiert sind.

15.04.2016 | Allgemein

Europäischer Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma an Amnesty International verliehen

Der mit 15 000 Euro dotierte Preis wurde zum fünften Mal vom Dokumentations- und Kulturzentrum und dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sowie der Manfred Lautenschläger Stiftung verliehen, in diesem Jahr erstmalig im Europäischen Parlament ins Straßburg.

Preisträgerin war in diesem Jahr die Menschenrechtsorganisation Amnesty International, die für ihren unermüdlichen Kampf gegen die Diskriminierung der Roma in ganz Europa geehrt wurde. Der Sonderpreis ging an die ungarische Regisseurin Eszter Hajdu für ihren Film "Judgment in Hungary".

Die Laudatio auf Amnesty International hielt der Generalsekretär des Europarats Thorbjørn Jagland. Grußworte kamen von Ulrike Lunacek, der Vizepräsidentin des Europaparlamentes, und Manfred Lautenschläger, dem Stifter des Preises.

 

Bilder der Veranstaltung finden Sie unter

https://www.wetransfer.com/downloads/099c8c36c40a0029c0e42a782684681720160414190105/969196

05.04.2016 | Allgemein

Menschenrechtsorganisation Amnesty International erhält Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma

Heidelberg / Straßburg, 5. April 2016 | Am 13. April 2016 vergeben das Dokumentations- und Kulturzentrum und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sowie die Manfred Lautenschläger Stiftung den Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma an die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Der mit 15 000 Euro dotierte Preis wird zum fünften Mal verliehen, in diesem Jahr erstmalig im Europäischen Parlament ins Straßburg. Den mit 5 000 Euro dotierten Sonderpreis erhält die ungarische Filmemacherin Eszter Hajdú. Die Laudatio auf Amnesty International hält der Generalsekretär des Europarats Thorbjörn Jagland. Grußworte kommen von Ulrike Lunacek, der Vizepräsidentin des Europaparlamentes.

26.01.2016 | Allgemein

Zoni Weisz spricht bei Gedenkveranstaltung der Vereinten Nationen am 27. Januar in New York

Bei der diesjährigen Gedenkveranstaltung im UNO-Hauptquartier in New York am 27. Januar spricht mit dem Holocaust-Überlebenden Zoni Weisz zum ersten Mal ein Repräsentant der Sinti und Roma. Damit richten die Vereinigten Nationen im Rahmen des seit 2005 begangenen Internationalen Holocaust-Gedenktags den Fokus zum ersten Mal auf die 500.000 Sinti und Roma, die im nationalsozialistisch besetzten Europa Opfer einer systematischen und planmäßig organisierten Vernichtungspolitik wurden.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, würdigte diese Entscheidung als ein wichtiges Signal der Weltgemeinschaft auch mit Blick auf die schwierige Menschenrechtslage der Sinti und Roma vor allem in den Staaten Ost- und Südosteuropas.