16.08.2017 |  Allgemein

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma trauert um den Holocaust-Überlebenden Max Birkenfelder

Max Birkenfelder, 2016

Am 12. August 2017 verstarb der Holocaust-Überlebende Max Birkenfelder, der dem Zentralrat und Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma bis zuletzt verbunden war.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma trauert um Max Birkenfelder, der am 12. August 2017 in Schwetzingen verstarb. Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma würdigte Max Birkenfelder mit sehr persönlichen Worten: „Die Bilder aus Radom haben ihn sein Leben lang begleitet. Dass er den damit verbundenen Schmerz auf sich nahm und 2013 öffentlich als Überlebender darüber sprach, hatte stets meine inständige Bewunderung. Er wird für mich immer ein Beispiel sein, welche Würde in bescheidener Zurückhaltung stecken kann. Die Sinti und Roma haben eine ganz besondere Persönlichkeit durch den Tod von Max Birkenfelder verloren.“  

Max Birkenfelder kam im Januar 1938 in Ludwigshafen am Rhein als Sohn von Heinrich und Amalie Birkenfelder zur Welt. Die Familie lebte zuvor in Heidelberg, kam aber wegen der dortigen Vertreibungspolitik nach Ludwigshafen. Wie zahlreiche weitere Sinti und Roma Familien, wurde auch die Familie Birkenfelder im Mai 1940 zunächst in das Sammellager auf dem Hohenasperg verschleppt und anschließend von dort aus mit einem Sonderzug nach Polen deportiert. Über vier Jahre war die Familie in Ghettos und Konzentrationslager im besetzten Polen inhaftiert. Die verschleppten Männer, Frauen und Kinder mussten dort unter mörderischen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Im Ghetto der polnischen Stadt Radom wurde Max Birkenfelder als Kind Zeuge von Erschießungen, Hunger und Elend. Mit dem Vorrücken der Roten Armee gelang der Familie 1944 schließlich die Flucht in Richtung Deutschland, wo sie sich bis zum Kriegende verstecken konnte. Die Familie Birkenfelder kehrte nach dem Krieg in die Heidelberger Altstadt zurück. Den Großteil seines Lebens verschwieg Max Birkenfelder, welche Erfahrungen er bereits in der frühesten Kindheit machen musste.

Max Birkenfelder nahm regelmäßig an der jährlich Gedenkfahrt  zur Gedenkstätte in Auschwitz-Birkenau teil, um der Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus zu gedenken. 2013 sprach er erstmals selbst als Holocaust-Überlebender bei der offiziellen Gedenkfeier in Auschwitz von seinen Erfahrungen als Kleinkind. In einem Interview aus dem Jahr 2016 betonte er, das wichtigste sei, jeden Menschen zu akzeptieren, wie er ist. Weiter sagte er: „Weil wir sind ja alle Menschen. Und nur nach seiner Hautfarbe einen Menschen zu beurteilen, oder zu verurteilen, das finde ich sehr falsch.“

Die deutschen Sinti und Roma werden Max Birkenfelder ein ehrendes Andenken bewahren.