04.03.2019 |  Allgemein

Veranstaltung: "Ethik und Moral im Boulevard?" vom 27.2.2019

Ist Berichterstattung gewissen demokratischen und rechtsstaatlichen Werten und Normen verpflichtet und gibt es Grenzen der Pressefreiheit? Darüber sprachen am 27. Februar 2019 Julian Reichelt (Bild) und Volker Stennei (Presserat) mit Romani Rose im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma. Unsere Praktikanten Tim Laubschner und Fabian Wolf berichten von der Veranstaltung.

Das Podium von links nach rechts: Romani Rose, Volker Stennei, Julian Reichelt, Herbert Heuß (c) Dokumentationszentrum

Am 27.02.2019 fand im Dokumentations- und Kulturzentrum ein Mediengespräch zum Thema „Ethik und Moral im Boulevard“ statt. Die Veranstaltung befasste sich mit der Frage, inwiefern ethisch- und moralische Erwägungen im Boulevardjournalismus präsent sind und welche gesellschaftliche Verantwortung der Presse in einem demokratischen Rechtsstaat zukommt. Es diskutierten: Romani Rose (Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma), Volker Stennei (Sprecher des Deutschen Presserates) und Julian Reichelt (Chefredakteur der BILD-Zeitung). Das Gespräch wurde moderiert von Herbert Heuß, wissenschaftlicher Leiter des Zentralrats.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Gäste wurde der Wandel der Medienlandschaft von Print- zu Onlinemedien thematisiert. Rose ging im Anschluss auf das negative gesellschaftliche Bild von Sinti und Roma ein, das unter anderem durch die Berichterstattung der Presse beeinflusst werde. Vorurteile gegenüber Minderheiten werden durch die „4.Gewalt“ gefestigt, so Rose. In Bezug auf die Ereignisse der Silvesternacht 2015/16 in Köln wurde diskutiert, ob die Ethnie von Tätern in Presseberichten genannt werden sollte. Infolge der damaligen Vorfälle hatte der Presserat seine Richtlinie in dieser Frage gelockert. Rose sprach sich zwar für eine Nennung der Staatsbürgerschaft, jedoch nicht die der Herkunft aus.

Auf Nachfrage des Diskussionsleiters Herbert Heuss, weshalb keine positiven Berichte – beispielsweise über kulturelle Leistungen der Sinti und Roma – Eingang in die BILD-Zeitung fänden, antwortete Reichelt, dass lediglich „herausragende“ Geschichten Platz in seiner Zeitung hätten. Tatsächlich stehen die BILD-Zeitung und ihr Chef durch seit Jahren sinkende Verkaufszahlen selbst erheblich unter Erfolgsdruck.

Insbesondere Julian Reichelt erhielt zahlreiche kritische Fragen aus dem Publikum, die zu einer regen Abschlussdiskussion beitrugen. Die Wortmeldungen kritisierten die Sprache der BILD-Zeitung und ihre teilweise tendenziöse Verwendung von Bildern und Überschriften.

Auch die Rhein-Neckar-Zeitung berichtete über die Veranstaltung.