12.06.2015 |  Allgemein

Tagungsband „Antiziganismus – Soziale und historische Dimensionen von „Zigeuner“ – Stereotypen“ vorgestellt

Die Autor_innen Radmila Mladenova, Karola Fings, Benedikt Wolf und Markus End. (v.l.)

Am 11. Juni wurden im Dokumentations- und Kulturzentrum neben dem Tagungsband „Antiziganismus – Soziale und historische Dimension von „Zigeuner“ – Stereotypen“ zwei weitere neue Publikation zum Thema Antiziganismus vorgestellt: zum einen der Tagungsband „Sinti und Roma. Eine deutsche Minderheit zwischen Diskriminierung und Emanzipation“ und zum anderen „Antiziganism – What’s in a Word?“.

Bei der Präsentation im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma gaben die Herausgeber und Autor_innen einen vielseitigen Blick auf das Phänomen Antiziganismus. So wurde der Begriff „Antiziganismus“ an sich diskutiert, aber auch die Auswirkungen des Phänomens auf die Minderheit in den Blick genommen. Der Tagungsband „Antiziganismus – Soziale und historische Dimensionen von „Zigeuner“ – Stereotypen“ dokumentiert die Ergebnisse einer interdisziplinären wissenschaftlichen Tagung, die im Herbst 2012 im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma stattfand. Ziel der Tagung war es, Stärken und Schwächen des „Antiziganismus“-Begriffs neu zu diskutieren, das Phänomen in seinen vielfältigen Aspekten zu untersuchen und Handlungsoptionen aufzuzeigen.

Die beiden anwesenden Autoren, Benedikt Wolf und Markus End, stellten heraus, dass „Zigeuner_innen“-Stereotype unabhängig von einer bestimmten Gruppe existierten und auf vermeintlich „andere“ bezogen seien. Wen dieses Bild letztendlich treffe, sei abhängig vom Selbstbild der Mehrheitsgesellschaft und sage mehr über diese aus als über die als „Zigeuner_innen“ bezeichneten Personen. „Ursache des Antiziganismus ist nicht das Verhalten der Menschen, sondern die Norm, der deviante Part wird projiziert“, so End.

Autoren_innen, Herausgeber und Publikum waren sich einig darüber, dass Antiziganismus nur als ein mehrheitsgesellschaftliches Phänomen zu verstehen sei: Das Bild des „Zigeuners“ oder der „Zigeunerin“ stelle das Gegenteil der gesellschaftlichen Norm dar und definiere immer die Grenzen der Gesellschaft. Besonders deutlich wurde dies in Radmila Mladenovas Beitrag: Mladenova, Mitautorin des zweiten vorgestellten Bandes „Antiziganism – What’s in a Word?“, zeigte auf, wie in der europäischen Kultur das Bild „Zigeuners“ oder der „Zigeunerin“ stets als das Negative Gegenbild zur Mehrheitsgesellschaft verwendet wurde und wird.

Karola Fings, Mitautorin des dritten Bandes „Sinti und Roma – Eine deutsche Minderheit zwischen Diskriminierung und Emanzipation“, gab einen kurzen Einblick in die Situation der Minderheit zur Zeit des Nationalsozialismus. Neben einem Überblick über die 600-jährige Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland bietet der Band auch Raum für die Darstellung von Einzelschicksalen aus jener Zeit. Fings gab einen Einblick in „eine dieser Geschichten, die noch nicht erzählt wurden“. Dass das Erzählen dieser Geschichten auch heute noch wichtig ist, wird durch Fings Anmerkung „es gibt auch niemanden, der an sie erinnert“ deutlich. Die Erinnerung an die Opfer der Sinti und Roma wurde lange Zeit verweigert und der Völkermord vertuscht, die Diskriminierung der Minderheit hielt auch nach der NS-Zeit an.

Die Publikation „Antiziganismus – Soziale und historische Dimension von „Zigeuner“- Stereotypen“ kann in Buchform zu einem Preis von 14,80 € zzgl. Porto beim Sekretariat des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma (sekretariat@sintiundroma.de) bestellt oder hier heruntergeladen werden.

Das Buch “Antiziganism – What’s in a Word?“ ist im renommierten Verlag Cambridge Scholar Publishing erschienen und kann hier zu einem Preis von £47,99 bestellt werden.

Der Tagungsband „Sinti und Roma, Eine deutsche Minderheit zwischen Diskriminierung und Emanzipation“ wurde von unserem Mitarbeiter Oliver von Mengersen herausgegeben und kann für 4,50 € auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung bezogen werden.