Andrej Kiska - Staatspräsident der Slowakischen Republik (2014-2019)

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Andrej Kiska wurde am 2. Februar 1963 als Sohn zweier Lehrer in Poprad in der damaligen Tschechoslowakei geboren. 1986 schloss er sein Studium der Elektrotechnik an der Technischen Universität in Bratislava ab. Danach lebte er für zwei Jahre in den USA und arbeitete dort an einer Tankstelle und als Bauarbeiter. Nach seiner Rückkehr in die Slowakei war er über 15 Jahre erfolgreich als Unternehmer tätig und gründete mehrere Finanzinstitute wie Triangle und Quatro. 2005 veräußerte er die Anteile an seinen Firmen, um sich zukünftig wohltätigen Aufgaben zu widmen. Die 2006 ins Leben gerufene Non- Profit-Organisation Dobrý Anjel (Guter Engel), der Kiska als Mitbegründer eine Million Euro spendete, hilft Familien, die durch schwere Krankheiten in finanzielle Notlagen geraten sind. Dobrý Anjel ist heute die erfolgreichste private Wohltätigkeitsorganisation der Slowakei.

2012 entschied sich Andrej Kiska, als unabhängiger Kandidat für das Amt des Staatspräsidenten zu kandidieren. Er gewann 2014 mit 59,4 Prozent der Stimmen in der Stichwahl gegen den damaligen Ministerpräsidenten der Slowakei, Robert Fico. Am Wahlabend erneuerte er seine Botschaft aus dem Wahlkampf: „Ich werde mein Versprechen erfüllen und auf der Seite der Menschen in diesem Land stehen.“ Es ist das erste politische Amt Kiskas, der bis zu seiner Kandidatur nur wenigen Slowaken als Mitbegründer von Dobrý Anjel bekannt war.

Ähnlich wie der deutsche Bundespräsident hat der Präsident der Slowakei vor allem repräsentative Aufgaben. In Regierungskrisen kann ihm aber eine entscheidende Rolle zukommen. Dies zeigte sich Anfang 2018 als Kiska nach der Ermordung des Journalisten Ján Kuciak und seiner Partnerin einen grundlegenden Umbau der Regierung forderte. Nach dem Tod von Ján Kuciak, der zuletzt über die Verbindung von Spitzenpolitikern zu organisierter Kriminalität recherchiert hatte, demonstrierten tausende Menschen.

Als Präsident der Slowakei setzt sich Andrej Kiska öffentlich für die Minderheit der Roma in seinem Land ein. Damit unterscheidet er sich deutlich von seinem Amtsvorgänger Ivan Gašparovič, der sich kaum positiv gegenüber Roma äußerte. So vermied dieser 2010 beispielsweise eine ernsthafte Distanzierung von der offen rassistischen Wahlkampagne der Slowakischen Nationalpartei (SNS). Diese warb mit dem Slogan „Damit wir nicht mehr jene durchfüttern, die nicht arbeiten wollen“ in Verbindung mit einer Fotografie eines als Rom markierten Mannes um Wählerstimmen warb. Gašparovič ließ über seinen Regierungssprecher lediglich verlauten: „Die Wähler sollen selbst bewerten, ob sie eine solche Wahlkampagne ethisch finden oder nicht.“

Andrej Kiska hingegen formuliert klare Ziele zur Verbesserung der Lage der Roma in der Slowakei. So sagte er 2017 in einem Zeitungsinterview: „In der Slowakei leben mehr als 400 000 Roma, das sind fast 10 Prozent der Bevölkerung. Offensichtlich muss es Regelungen geben und Gesetze müssen von allen beachtet werden. Aber wir brauchen eine Vision, einen Plan und wir müssen uns auf die Bildung konzentrieren, in der Vorschule aber auch in der weiterführenden Schule. In der Schule geht es nicht nur um Bildung als solche, sie vermittelt den Menschen auch Träume. Es ist hart seine Kinder in Hütten ohne fließendes Wasser und Strom groß zu ziehen. Dies ist eine Herausforderung, die unsere Gesellschaft bewältigen muss und ich denke, es ist realistisch, dieses Ziel innerhalb der nächsten 10 Jahre zu erreichen.“

Auch seine weiteren öffentlichen Äußerungen zeugen von seiner solidarischen Haltung gegenüber der Minderheit. Die gesellschaftliche Inklusion und Teilhabe der Roma ist aus seiner Sicht kein Thema, das nur die Roma betrifft, sondern in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext betrachtet werden muss. So sagte er ebenfalls im Jahr 2017: „Wenn es den Angehörigen der Roma nicht gut geht, dann wird es der Slowakei ebenfalls langfristig nicht gut gehen.“ Er positioniert sich in diesem Zusammenhang auch gegen politischen Extremismus: „Das Scheitern beim Lösen der Probleme der Roma bedeutet, es dem Extremismus leicht zu machen. Und das ist das Schlimmste, was passieren kann."

In Zeiten eines neu aufkommenden Nationalismus in Europa steht Andrej Kiska damit wie ein Leuchtturm inmitten anderer Staatschefs, gerade in Ost- und Südosteuropa. Während das friedliche gesellschaftliche Miteinander durch Rechtspopulisten auf der ganzen Welt angegriffen wird, gibt der slowakische Staatspräsident ein Beispiel für die Möglichkeiten einer Politik, die sich nicht nur auf die Mehrheitsgesellschaft fokussiert. Die Auszeichnung Andrej Kiskas mit dem Bürgerrechtspreis 2019 würdigt sein gesellschaftliches Engagement, seine kritische politische Haltung in der Öffentlichkeit und seinen Einsatz für die Belange der Roma in der Slowakei.